Ein Nachmittag im Schloss Bellevue

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  • Ein Nachmittag im Schloss Bellevue

    Thüringer Trachtentenleute beim Bundespräsidenten

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt den Deutschen Trachtenverband anlässlich seines 90. Jubiläums! Ja, auch Thüringer Trachtenfreunde werden in die Hauptstadt Berlin reisen. Aufregung und Vorfreude bereits vor langer Zeit, als der Termin bekannt wurde. Schwer findet sich ein Nachmittag im Kalender des Bundespräsidenten, aber selbst für den letzten Dienstag des Oktobers 2019 füllt sich die Delegation schnell.




    Einige nehmen nach der Ankunft die Möglichkeit wahr, sich mit einer Limousine zum Schloss fahren zu lassen. Nicht nur die Kinder sind „Stolz wie Bolle“, wie die Berliner so schön sagen. Jörg Möller aus Friedrichswerth kam aus dem Staunen und Fotografieren nicht heraus. Vor dem Bild Friedrichs des Großen im Schloss Bellevue lässt er sich fotografieren. Nicht ohne Grund: Hat doch sein Heimatort mit dem Schloss einen direkten Draht zum Alten Fritz. Die Gothaer Herzöge, die ab und zu in Friedrichswerth residierten, waren eng mit dem Preußenkönig befreundet. So klein kann die Welt sein, auch in der Geschichte. Versteht sich.

    Knut Kreuch ist mittlerweile im Großen Saal bereits voll in seinem Element, gibt letzte Anweisungen für das Aufstellen, agiert ganz sicher auf dem Parkett und dem Teppich. Auf einmal wird es still. „Meine Damen und Herren: Der Bundespräsident!“ Alle wissen jetzt ein wenig, was der oft zitierte Begriff „Protokoll“ bedeutet.




    „Ich bin nicht zum ersten Mal mit Alphörnern begrüßt worden, aber zum ersten Mal ganz sicherlich hier im Schloss Bellevue. Deshalb ganz herzlichen Dank für diese schöne alpine Tradition in großer Lautstärke, wie wir sie gerade gehört haben, und so harmonisch dazu.“ So beginnt Frank-Walter Steinmeier seine Rede. Er drückt aus, wie fasziniert er von den bunten Trachten, der Heimatpflege und dem Engagement der Jugend ist. Knut Kreuch, Chef des Deutschen Trachtenverbandes, erwidert gekonnt in Reimen. Auch das ist eine schöne Tradition im Trachtenwesen.




    Jeder Landesverband des Deutschen Trachtenverbandes trägt seinen Teil zum Programm bei, die Thüringer haben die Tracht des Jahres aus Tabarz mitgebracht. Bettina Grübel vom Trachtenverein Tabarz freut sich ganz besonders, mit ihren Sangeskolleginnen die Tabarz-Hymne mehrstimmig zu Gehör zu bringen. Ganz gespannt die Kinder und Jugendlichen aus Thüringen. Für sie wird dieser Tag ganz besonders unvergesslich:„Was wollte ich den Bundespräsident denn noch mal fragen?“ Carolin Walther aus Ponitz ist natürlich Blickfang mit ihrem Hormt, wie auch die anderen Altenburger. Alte Hasen beim Bundespräsidenten sind die Wechmarer, Romeo Kreuch spielt gekonnt auf dem Dudelsack. Sicher hat auch Ruhlas Trachtenvorsitzender Hans-Joachim Brenn ein wenig an den ersten Empfang beim damaligen Bundespräsident Rau gedacht, als die Ruhlaer 2001 ihre Mundart vorstellen durften.

    Für die Revisorin des Thüringer Landestrachtenverbandes, Ulla Danz, war das Foto mit dem Bundespräsidenten ein besonderer Dank für ihre lange Arbeit im Thüringer Landestrachtenverband, aber in erster Linie für ihre Geschäftsführertätigkeit im Deutschen Trachtenverband. Zum Abschluss und nach vielen Gesprächen mit dem Bundespräsidenten, der sich unter die Trachtendelegationen mischte, erklingt noch von allen das Lied „Wenn alle Brünnlein fließen“.




    Ein großes Erinnerungsfoto gab es noch auf der Treppe vorm Schloss Bellevue, wo auch die Hessen eindrucksvoll ihre Peitschen knallen ließen. Vorm Zaun des Schlosses klickten dazu die Fotoapparate zahlreicher Zaungäste.

    Mit vielen Eindrücken und Dank für die Anerkennung der Verbandsarbeit verließen die Trachtenleute aus ganz Deutschland Schloss Bellevue. Es ist sicher, dass ihnen allen und dem Bundespräsidenten dieser Nachmittag lange in bester Erinnerung bleibt.




    Rede des Präsidenten des Deutschen Trachtenverbandes e.V. anlässlich des Empfanges beim Bundespräsidenten, Herrn Frank Walter Steinmeier, am Dienstag, dem 29.Oktober 2019 im Schloss Bellevue in Berlin

    Es gilt das gesprochene Wort

    Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
    Werter Herr Steinmeier,

    herzlichen Dank für die Einladung zu dieser Geburtstagsfeier,
    sie gilt einem großen Verein in unserem Land,
    dem Deutschen Trachtenverband.

    Wir sind viele,
    verbunden in einem Ziele,
    und zwar gute Traditionen aus unserem Land
    zu verknüpfen in einem Zukunftsband,
    wir besitzen, egal wo jeder von uns lebt
    unsere eigene Regionalität,
    unsere Trachten, keine kann sich mit der anderen vergleichen
    sind unser deutliches Erkennungszeichen.

    Wir tragen, wenn man uns richtig beschaut
    unsere Heimat direkt auf der Haut,
    wir tragen, egal wo wir wohnen
    auf dem Körper Verantwortung von Generationen
    und wissen, dass nur derjenige liegt im Zukunftstrend,
    der um seine Herkunft weiß und seine Geschichte kennt.

    Wenn wir heute hier stehen,
    singend, tanzend und schwatzend unseren 90.Geburtstag begehen,
    dann sind es neun Jahrzehnte auf die wir schauen,
    wo wir in gegenseitiger Achtung und viel Vertrauen,
    gemeinsam ans Werk gingen
    um unsere Idee von Heimatliebe voran zu bringen,
    denn der, der seine Heimat liebt,
    der fragt nicht. Der gibt.

    1929, beginnt unser Lebensstück,
    wir sind mittendrin in der Weimarer Republik,
    bereits 1875 die ersten Trachtenvereine in unser Leben einziehn
    sie werden von Bayern gegründet in Chemnitz, in Leipzig und in Berlin,
    der erste Volkstrachtenverein, so ist es bekannt
    bildet sich 1883 in Bayrischzell im Miesbacher Land.
    danach gründen sich jährlich hunderte neue Vereine,
    damals wie heute, große und kleine,
    sie reichten sich 1929 die Hand
    zu einem deutschen Reichsverband.

    Was Diktatur bedeutet, das haben wir erfahren
    in den folgenden Jahren,
    von den Nazis 1936 verboten, Trachten wurden gleichgeschaltet,
    haben wir uns aufgelöst, wurden nicht von denen verwaltet,
    und waren dankbar, als das deutsche Volk nach dunkler Zeit
    am 8. Mai 1945 von den Alliierten befreit,
    aus war der Traum vom großen Sieg
    ein Land lag in Schutt und Asche nach dem II. Weltkrieg.

    Auf den Trümmern konnte ganz in demokratischen Sinnen
    im Westen der Neuanfang beginnen,
    1947 das Land kam ganz langsam wieder in Schwung
    war in München unsere Neugründung.
    im Osten, wo auch die Gruppen bald wieder tanzten und sangen
    wurden sie vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands eingefangen,
    an freie Vereine, war im Osten nicht zu denken,
    die Diktatur der Arbeiterklasse musste alles lenken.

    Vierzig Jahre im 20.Jahrhundert,
    hat Deutschland seine Trachten nur getrennt bewundert,
    und als vor 30 Jahren die Schockstarre der Nation
    erschüttert von der Friedlichen Revolution
    die Mauer brachte zu Fall,
    war er weg, der antifaschistische Schutzwall,
    Der 9. November hat Deutschland befreit,
    es kam die große Reisefreiheit,
    und die Zeit als alle Deutschen frei reisten, seit 1989 Weihnachten,
    dürfen wir als die glücklichste unseres Lebens betrachten.

    90 Jahre alt – seht wo wir stehen,
    sicher mussten wir über mehr als sieben Brücken gehen,
    wir erlebten in der Gründungszeit,
    Weltwirtschaftskrise, Hunger und Massenarbeitslosigkeit,
    wir spürten Massenverblendung und teuflische Demagogie
    die Toten des Krieges vergessen wir nie,
    wir erlebten Vertreibung und Flucht
    Tausende haben mit und ohne Trachten ein neues zu Hause gesucht,
    wir mussten zusehen, wie sich unser Land in zwei Teile spaltet
    eines wurde frei, das andere von der Sowjetunion verwaltet,
    trotz dieser Teilung haben die Jungen und die Alten,
    die gemeinsame Sprache, die Kultur und die Geschichte zusammen gehalten,
    es waren die Menschen in der DDR durch deren Mut dieses Wunder geschah
    befördert von Michael Gorbatschows Glasnost und Perestroika.
    Diese Tatsachen sollten wir unterdessen
    bei selbstgemachter Klimakrise und sozialer Medienflut niemals vergessen.

    1994 wurde uns klar
    dieser Verband braucht das „Wunder von Wechmar“
    in dem thüringischen Dorf an der Apfelstädt
    war im Juli 1994 die deutsche Trachtenfamilie komplett
    feierte dort, wo man sie seither gern lässt
    das 1.Gesamtdeutsche Bundestrachtenfest,
    seit dieser Zeit, das liegt auf der Hand
    sind wir vereint als Deutscher Trachtenverband,
    wenig später so ist es unsere Tugend
    gründete sich die Deutsche Trachtenjugend,
    denn Kinder und Jugendliche, die sich in Trachten vorwärts drehen
    engagieren sich für die Gesellschaft, und lassen uns zusammen stehen
    wir könnendafür gibt es mehr als eine Million Belege
    viel tun, als größter Verband Europas der Heimat- und Trachtenpflege.

    Deutschland deine Trachten in denen wir uns bewegen
    tragen wir als Zeichen der Heimat, der Zukunft entgegen,
    wir verschaffen uns in Mundart und Platt Gehör
    vom Schwarzwald bis zur Insel Föhr,
    wir spielen Volksinstrumente, ob Alphorn, Dudelsack oder Schalmei
    sind in den Alpen und im Spreewald zum Trachtenfest dabei,
    wir pflegen das Handwerk, das Denkmal, wir schützen die Natur, da draußen
    und unterhalten das Bayerische Kulturzentrum in Holzhausen,
    wir fördern die Deutsche Trachtenjugend, lassen sie wachsen,
    von Rheinland-Pfalz bis ins schöne Niedersachsen,
    sehen so gern Schwälmer, die Österte und die Rühlschen als etwas ganz rares
    wenn sie sich zeigen im Prädikat „Tracht des Jahres“
    mit dem Schuhplattler, dem Schwerttanz oder dem Peitschenknallen
    finden wir von Mecklenburg-Vorpommern bis Nordrhein-Westfahlen gefallen,
    kurzum, egal wo man uns hinbestellt
    wir sind in den Trachten die Botschafter Deutschlands in der ganzen Welt.

    Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
    so sind wir, so wie man uns kennt,
    all das, von dem ich ihnen berichte
    ist für uns Heimat, als kleidsame Geschichte,
    wir tragen Tracht und nehmen sie mit
    als Zeichen von Zukunft und Fortschritt,
    eines kann ich Ihnen versprechen, wenn Facebook, Snapchat und Instergram keiner teilt und niemand will es licken
    wird sich Deutschland immer noch in seinen schönsten Trachten zeigen.

    Wir wissen woher wir kommen, das können sie sehen
    deshalb wissen wir auch, wohin wir gehen,
    wer Herkunft hat, kann Menschen begeistern
    und wird alle Probleme der Zukunft meistern.

    Wir Menschen in Tracht wünschen uns von unserem Land
    ein wahres Bekenntnis und Förderung unserer Arbeit im Ehrenamt,
    Kultur ist Länderhoheit, das haben wir im Blick
    doch Bundesverbandsarbeit ist Bundeskulturpolitik,
    damit Deutschland blüht, das sollte man nie verachten
    muss man die Zukunft von der Geschichte aus beTRACHten.

    Herr Bundespräsident,

    sie schätzen unser Engagement,
    dafür Dankeschön,
    wir freuen uns schon bald auf ein Wiedersehen,
    wir wünschen Ihnen für ihre Arbeit in unserem Land
    stets das richtige Wort und eine glückliche Hand,
    wir spüren, ihre Arbeit, ihr Erscheinen,
    lässt Deutschland einen,
    gern werden die Trachten Deutschlands an ihrer Seite stehen
    um über sieben oder mehr Brücken mit ihnen zu gehen
    in diesem Sinne wollen wir die Zukunft gemeinsam gestalten

    und alles tun um den Frieden der Welt zu erhalten.
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