In festlicher Tracht an der Kirchenwand

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • In festlicher Tracht an der Kirchenwand


    Die Hildebrandt-Grabsteine in Urbich


    Im Kranz der eingemeindeten Dörfer der Landeshauptstadt Erfurt sind einige historische Grabsteine zu entdecken, die Personen des 18. Jahrhunderts in damals üblicher Tracht zeigen. Zwei besonders interessante stehen in Urbich. Darauf gab es schon Hinweise bei der Aktion im Jahre 2002, als der Thüringer Trachtenverband über die Tageszeitungen nach Grabsteinen mit Kleidungs- und Trachtendarstellungen fragte.


    Anfang März 2019 ging es nun endlich nach Urbich. Die Kirche wird wegen des massigen Turmes schnell gefunden. Nach der Wende wurde sie durch eine rührige Gemeinde wieder in einen sehr sehenswerten Zustand versetzt. Gleiches gilt für ihr gesamtes Umfeld, den Friedhof und seine Grabsteine.





    An der Kirchenwand fallen vor allem zwei große Grabsteine auf, die zwei Frauen zeigen: Die im 18. Jahrhundert verstorbenen jungen Schwestern Hildebrand. Sie tragen Hauben, die einigen in der Sammlung des Thüringer Landestrachtenverbandes aufbewahrten Brautkronen ziemlich ähnlich sehen. Sind es eventuell tatsächlich Brautkronen?


    Eine Friedhofsbesucherin wies noch darauf hin, dass sich in der Kirche zwei Porträts der Dargestellten befinden. Sie meinte, die beiden Frauen wären kurz vor ihrer Hochzeit verstorben. Tatsächlich, auf den Gemälden im Kircheninnenraum sind Anna Elisabeth und Caterina Hildebrandt dargestellt, die mit 19einhalb bzw. 17einhalb Jahren im Brautstand verstarben. Ein tragisches Schicksal, dass bestimmt Eltern und dem ganzen Dorf ans Herz ging. Beide sind mit Myrten bekränzt, aus den Wolken streckt sich ihnen eine Hand mit Palmenzweig entgegen. Statt der Hochzeit auf Erden gab es die Hochzeit mit dem Himmel. Sie wurden 2007 restauriert und erstrahlen wieder in frischen Farben. Die Bilder gleichen den Darstellungen auf den Grabsteinen.





    Der Vater der beiden jungen Frauen, Hans Hildebrandt, hatte 1756 der Kirche zu Urbich eine Stiftung vermacht. Die Bedingung war, diese Porträts für ewige Zeiten in der Kirche aufzustellen. Diese hat die Kirche Urbich bestens erfüllt.

    Also, für Trachteninteressierte lohnt eine Reise nach Urbich, man sollte jedoch vorher den Kirchenschlüssel beim zuständigen Pfarramt bestellen. Vielleicht gibt es noch mehr über die Familie Hildebrand zu erfahren!

    Dirk Koch

    1.140 mal gelesen