Kinderspiele in der Fachwerkstadt

Kinderspiele in der Fachwerkstadt

Osterferienaktion der Thüringer Trachtenjugend in Schmalkalden

Röhrende Hirsche begrüßten die Kinder zur diesjährigen Osterferienaktion im Schmalkaldener Ehrental. Das Rotwild lebt dort im Wildgehege. „Da verschaffen sich bestimmt auch Wildschweine Zutritt, um ans Futter zu kommen.“, erkannten einige Kinder, als sie Löcher und Dellen unterm Zaun erblickten. Aber Sinn und Zweck der Osterferienaktion war nicht etwa die Beschäftigung mit Tieren, sondern mit Kinderspielen zur Gestaltung des Trachtenkalenders 2017. Gleich beim Kennenlernspiel wurde der eine oder andere der zahlreichen Teilnehmer gleich mal zum Hasen, zur Henne, zum Iltis oder gar zum Schwein.


Eins, zwei drei - Eierei



Mit einem österlichen Spiel startete die gemeinsame Zeit: Schließlich haben in der Osterwoche, die mit dem Ostersonntag beginnt, die bunten Eier noch Hochkonjunktur. Neu war sicherlich das „Eierdotzen“, bei dem es darum ging, mit je einem gekochten Ei gegeneinander zu kämpfen. Der, dessen Ei heil blieb, ging als Sieger aus diesem Wettbewerb hervor. Die Spielobjekte konnten danach genüsslich verzehrt werden. Im Waldhotel entstand zur selben Zeit unters Norberts Anleitung eine Flotte von Papierschiffen, die für den Start an einem der nächsten Tage vorbereitet wurde. Der stapellauf am Abschlusstag verlief erfolgreich.


Es bereitete schon eine Menge Kopfzerbrechen, wie die Kalenderblätter gestaltet werden sollten. Die Schiffe eignen sich doch für ein Sommer! Die Windräder, die am Abend entstanden, erforderten viel Geschick. Als Stäbe dienten Holzstäbe aus dem Wald. Sie zieren letztendlich die herbstlichen Kalenderblätter.


Leuchtende Frühlingsblüten auf den Mädchenköpfen



Gerlinde hatte vor einigen Jahren einmal mit echten Blumenkränzchen Aufsehen erregt, die die Köpfe der Mosbacher Mädchen zum Trachtenfest zierten. „Oh, so viel Arbeit!“ „Wunderschön!“, so war von den Betrachtern zu vernehmen. Über die Jahre sah man dann kaum noch echte Blumenkränze auf den Trachtenfesten. Zum Spielzeitvertreib der Kinder hat das Blumenkranzbinden früher durchaus gehört, also rein damit in unser Ferienprogramm. Die Suche. Die Arbeit beim Binden. Das Lagern.


Im trüben Nieselwetter ging es dann kreuz und quer durch das Ehrental, um Material für die Kränze zu suchen. Das war Ende März wirklich mühsam, denn kaum frisches Grün oder gar bunte Blumen schimmerten dem eifrigen Sucher entgegen. Es war wirklich schwierig und am Ende der Suche dachten wir: Das wird doch nicht einmal ein Kranz. Eine Stunde später die Überraschung, ganze sechs Blumenkränze zierten die Köpfe der Mädels. Gänseblümchen und Hufflatichknospen gingen in der Wärme des Zimmers auf und wurden zu kleinen sonnigen Blickpunkten im Haar. Dazu kamen noch ein paar Krokusse und Schneeglöckchen, die aus dem Beet des Waldhotels gemopst wurden. Nach dem Kranzbinden war erst einmal Händewaschen angesagt, denn einige Pflanzen waren ganz schön giftig.


Hütte, Hochofen und Hessenland



Vor der Kulisse der Neuen Hütte in Schmalkalden entfalteteten sich an einen trüben Donnerstagvormittag viele alte Spielideen. Die Neue Hütte ist ein alter Hochofenbetrieb, in dem einst die begehrten Schmalkalder Eisenerze per Holzkohle verhüttet wurden. Das Hochofengebäude selbst ist ein einzigartiges Denkmal klassizistischer Industriekultur und Museum. Für uns wurde es zur einzigartigen Spielekulisse. Die Erwachsenen wunderten sich, dass einige Kinder Spiele mit dem Sprunggummi gar nicht kannten! Hier haben Handy und Computer wohl doch schon einige Beschäftigungen in der Vergessenheit versinken lassen. Der einfache Ringelreihen, das Butzemannspiel oder Dreibeinhüpfen machten sichtlich Spaß und wärmten auf. Das bunte Treiben in historischer Umgebung setzte sich am nächsten Tag auf dem Schloss Wilhelmsburg fort. Die ehemalige Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen bildete unter anderem die Kulisse für das Murmeln, das große Springseil und die Goldene Brücke. Viele hörten bei der Führung mit Museumspädagogin Frau Rutte das erste Mal, dass Schmalkalden viele Jahrhunderte zu Hessen gehörte.


Kreisel, Spinnrad und Spiellieder



„Früher war das Kreiseln so einfach. Mal sehen, ob ich das noch hinkriege.“ „In jeder freien Minute haben wir uns als Kinder die Spielreifen aus der Ecke geholt und sind damit über den Hof gerannt. Und die selbstgebauten Stelzen dazu. Das war immer Spaß.“ So und ähnlich schwärmten Jürgen, Gerlinde und Conny, unsere Erwachsenen von ihrer Spielzeit.


Frank Hößel von der Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld hatte zwei große Spielkoffer eingepackt, deren Öffnung für alle an der Osterferienaktion wie das Schauen in eine Schatzkiste war. Nur waren nicht Gold- und Silberstücke darin, sondern eine Reisensammlung alter Spiele und Spielutensilien. Kreisel kamen zutage, Steckspiele, ungeahnte Halmavariationen, ein Spinnradspiel, Kinderdampfmaschinen und Brettspiele, von denen keiner je etwas gehörte hatte. Die Kinder waren gespannt, während die Augen der Betreuer vor Vorfreude glänzten. Minuten später waren alle Stationen besetzt, zu uns war auch noch Dagmar Klopfleisch von der Dachsbergemeinde Ernstroda gestoßen, die interessante Brettspiel aus allen Zeiten mitgebracht hatte.Einige Spiele zogen die Kinder sogar so in den Bann, dass sie lieber zwei Stunden im kalten Märzwind und bei Nieselregen draußen ihre Wettbewerbe austrugen. Das war z.B. beim Murmeln so. Die Mannschaften „Kugelschocker“, „Glasfeen“ und „Murmelfüchse“ warfen die kleinen runden Kugeln um die Wette, und tatsächlich konnten die Sieger mit 105 Punkten jubeln. Das simple Kästchenhüpchen fesselte ebenfalls lange, man kann sicher sein, irgendwo auf den Schulhöfen wird es demnächst ausgetragen.


Text: Dirk Koch

Bilder: Norbert Sander

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