Eichsfelder Trachtenwallfahrt

Plattdeutsch beim Gottesdienst und in vergnüglicher Runde

Krautweih und Eichsfelder Trachtenwallfahrt mit rund 600 Pilgern in Beberstedt


Von Reiner Schmalzl

Beberstedt. Immer wieder halten die Leute die bunten Sträuße vor ihre Nasen, um den lieblichen Duft von Thymian, Salbei, Pfefferminz und anderen Kräutern förmlich zu inhalieren. Neben den gesegneten Blüten, Blättern und Früchten aus Feldflur und Garten, konnten die Teilnehmer der Marienwallfahrt mit Krautweih in Beberstedt aber auch noch weitere Sinne schärfen lassen. Denn während seiner Predigt vor etwa 600 Pilgern anlässlich des Festes Mariä Himmelfahrt (15. August) bedauerte Pfarrer Bernhard Dittrich, dass heute viel zu oft die Seele vernachlässigt werde. Eine Ausgewogenheit zwischen Leib und Seele sollte wieder vermehrt das Bestreben sein, wünschte sich der Prediger aus dem Bistum Dresden-Meißen. Mariä Himmelfahrt sei ein an der Basis entstandenes Fest, dem sich insbesondere die Zisterzienser verschrieben hätten. Diese gaben ihren Kirchen daher das Patrozinium Maria, wie auch die Klöster Reifenstein und Volkenroda belegen würden.


Bunter als sonst war das Bild auf dem Beberstedter Schulplan, weil sich diesmal Trachtengruppen unter die Pilger gemischt hatten. Als Vorsitzende des Eichsfelder Trachtenverbandes rief Monika Klingebiel aus Steinbach die in Etzelsbach begründete Tradition der nunmehr 22. Trachtenwallfahrt in Erinnerung. Ihr Grußwort ging dann in Plattdeutsch über, wozu die Wallfahrer kräftig applaudierten. Eine Premiere war auch die komplett in Plattdeutsch erfolgte Lesung von Gerhard Wegerich von dem mit gastgebendem Eichsfelder Heimat- und Wanderverein Hüpstedt. „Da Tempel Gottes im Hemmel wurde ufgemacht“ (Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet), begann er die Lesung aus der Offenbarung des Johannes. Auch Martin Stützer vom Heimatverein Heyerode trug seine Fürbitten in Plattdeutsch vor. Weil man laut Pfarrer Günter Christoph Haase zu den „Allwetterchristen“ gehöre, zeigte sich Petrus nach anfänglichem Nieselregen und Nebel recht gnädig und ließ sogar die Sonne scheinen.


Festlich umrahmt wurde das Festhochamt von den Obereichsfeld-Musikanten sowie dem Kirchenchor Beberstedt, der beispielsweise mit dem ergreifenden Lied „Mutter Maria, mit dir will ich gehn“ überzeugte. Nach der Sakramentsprozession zu den vier Altären im Dorf und dem musikalischen Frühschoppen mit Mittagessen im Saal der Gemeindeschenke, versammelten sich viele der Trachtler und Heimatpfleger aus Weißenborn-Lüderode, Steinbach, Uder, Deuna, Gernrode, Hüpstedt, Faulungen und Heyerode noch für nahezu drei Stunden auf dem Beberstedter Anger. Getreu dem Motto des Eichsfelder Mundartdichters Karl Leineweber „Lidde, loht das Platt nit starb’n“ wurden in der vergnüglichen Runde Schnurren zum Besten gegeben und über die gute alte Zeit geplaudert.


Bildtexte:


Die froh gestimmten Frauen von der Trachtengruppe „Ellertal“ aus Weißenborn-Lüderode“.


Vereinschef Gerhard Wegerich und Frauen vom Eichsfelder Heimat- und WandervereinHüpstedt verfolgen den Festgottesdienst.


Agnes Göppert, Irmgard Ellendt, Martin Stützer und Dieter Herold (von links) vertraten den Heimatverein Heyerode zur Marien- und Trachtenwallfahrt in Beberstedt.


Fotos: Reiner Schmalzl

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