Binseneier als Osterschmuck

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  • Binseneier als Osterschmuck

    Seminar des Thüringer Landestrachtenverbandes um das „berühmte Ei“




    Was sind eigentlich Binsen? Diese Frage habe ich in den letzten Jahren sehr oft gehört und seit unserer Ausstellung „Des Thüringer Brauchs“ im Jahre 2005, in der wir Binseneier aus dem Thüringer Museum in Eisenach ausstellten, weiß auch ich, was Binsen sind. Zu dieser Ausstellung konnten wir Mitglieder des Heimatvereins Mosbach begrüßen und im Gespräch ergab es sich, dass Frau Karin Schneider aus Eisenach anbot, mir zu zeigen, wie man Binseneier herstellt. Solche Angebote nutze ich natürlich nicht für mich allein und schon war die Idee geboren ein Seminar zur Herstellung von Binseneiern im Landhaus Studnitz anzubieten.





    Was sind nun Binsen? Wer mit einem aufmerksamen Blick durch die Natur geht, hat sie vielleicht schon einmal gesehen ohne zu wissen, was es ist. An Bachrändern, feuchten Wiesen und Waldrändern wachsen schnittlauchähnliche Stengel, die mit gelblich-weißem Mark gefüllt sind. Die Rede ist von Binsengras, auch Binsen genannt. Das zeitige Frühjahr ist die beste Zeit, um die Binsen für die Binseneier zu schneiden. Das Mark wird mit einem Streichholz aus den Halmen geschoben und lässt sich dann wieder lang ziehen.




    Was ist ein Binsenei? Ausgeblasene Hühnereier werden mit klein gemusterten Stoffen beklebt und mit dem Binsenmark kunstvoll verziert. Zur Frühlingszeit Eier mit Binsenmark zu verzieren ist eine alte Tradition und wird heute, außer in Eisenach, noch im Odenwald und im Lahn-Dill Kreis gepflegt, wobei die einzelnen Orte spezielle Muster haben.




    Woher in Eisenach die Tradition kommt, ausgeblasene Hühnereier mit Stoff und Binsenmark zu bekleben, weiß heute keiner mehr genau zu sagen. Allerdings wurden bereits um 1700 in der Vorfrühlingszeit kunstvoll verzierte Eier den Täuflingen als Zeichen des Glücks in die Wiege gelegt. Frisch vermählten Paaren sollten die Eier einen reichen Kindersegen bescheren.



    1823 ist von zierlichen Eiern die Rede, die mit Binsen und Läppchen verschiedener Farben belegt sind. Damals hatte man es schon zu einer erstaunlichen Meisterschaft in der Verwendung und Verarbeitung dieses Materials gebracht.

    „Im Prinzip ist das Binsenei ein Kunstgegenstand, der aus der Armut der Menschen heraus entstand“, erinnert Karin Schneider. „Man wollte es schön haben und wusste das mit einfachsten Mitteln zu realisieren. Das Binsenmark kostete nichts und die ausgeblasenen Eier waren Abfall. Zum Verarbeiten der Binsen benutzte man einst simplen Mehlkleister.“ Das übrig gebliebene Binsengras kann man noch zum Flechten von Körbchen verwenden, in die man seine Binseneier legen kann.




    Am Samstag, den 13. März 2017 war es wieder einmal so weit. Bereits zum 12. Mal zeigte uns Karin Schneider aus Eisenach, wie man ein kunstvolles Binsenei herstellt und was man im Umgang mit den Binsen beachten muss. Ihr zur Seite steht seit ein paar Jahren Katrin Dippe aus Wechmar, die bei Frau Schneider durch die „Binseneierlehre“ gegangen ist. Sie brachte in diesem Jahr Töchterchen Annika mit, die mit ihren drei Jahren schon ein richtiger Bastelfan ist, aber die Eier lieber mit Wasserfarben anmalte, als mit Binsen zu bekleben. Die fünfjährige Phelina kam mit Oma Christina, der Bastelkünstlerin des Landhauses Studnitz, die uns schon viele Jahre mit ihren kunstvollen Handarbeiten aus Papier, Stoff oder Wolle überrascht und damit dem Seminarraum einen frühlingshaften Glanz mit der Vorfreude auf Ostern verlieh. Beim Anblick der schönen Dekoration hätte der ein oder andere vielleicht lieber Blüten aus Papier oder Häschen aus Wolle und Stoff gebastelt, aber es stand das traditionelle Herstellen eines Binseneies auf dem Programm und das war in diesem Jahr nicht ganz so einfach, weil die Binsenernte rund um Wechmar sehr rar war. Wir hatten zwar ganze Bündel von Binsen geschnitten, aber es war kaum eine dabei, wo man das Mark rausziehen konnte, um es zum Basteln zu verwenden. Viel zu dünn und zu trocken war unsere Ausbeute. Karin Schneider hatte mit ihren gesammelten Binsen aus der Region um Eisenach mehr Glück. Sie brachte grüne, dicke Binsen mit, woraus man das helle Mark für die Verzierung der Eier gewinnen konnte, so dass unter den Fingern der Teilnehmer kunstvoll verzierte Eier in allen Farben entstanden, der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. So werden in diesem Jahr filigrane Binseneier die Ostersträuße in Waltershausen, Erfurt, Bad Langensalza, Eisenach und natürlich in Wechmar schmücken.


    Text und Foto: Eva Kowalewski

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