Herbstferienaktion der Thüringer Trachtenjugend

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  • Katzenpower im Herbst


    Wehrhafte Kirchen und Mundart in Regen und Sonne

    Die Herbstferienaktion der Thüringer Trachtenjugend führte in die Rhön und an die Werra. Teilnehmer aus dem Landkreis Gotha, aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen und aus dem Wartburgkreis beschäftigen sich mit Thüringer Mundarten und wehrhaften Kirchen, die ja im Süden Thüringens in großer Zahl anzutreffen sind. Doch es gab auch tierische Momente!

    Schnurri im Schlepptau





    Gleich am Bahnhof von Walldorf hieß eine schwarz-grau getigerte Katze die Feriengruppe der Thüringer Trachtenjugend willkommen. Die Kinder schlossen „ihren“ Stubentiger gleich ans Herz und wollten sich nicht von ihm trennen. Keck folgte das Katzentier über die Werra bis ins Dorf und zur Sandsteinhöhle. Ja, die Märchenhöhle sollte an diesem Tag das erste Ziel sein. So manch einer der mitreisenden Erwachsenen hatte Erinnerungen aus Kindertagen und musste aufpassen, nicht mit dem Kopf an die Höhlendecke zu stoßen. Ja vor 40 Jahren waren viele doch noch etwas kleiner. Aber: Wo bleiben die Märchen? Keine Angst, sie kamen. Die Kinder wussten sogar, die Darstellungen zuzuordnen.



    Zwerg Nase, die Figur von Wilhelm Hauff, Rotkäppchen und der Wolf, Aschenputtel, Dornröschen und das listige Rumpelstilzchen. Gleich vor der Sandsteinhöhle wartete Schnurri schon wieder und ging ein Stück Weg mit zur alten Kirchenburg. Kreuzscharten, querliegende Schießscharten und Schalentürme zogen in der Erlebniskirchenburg Walldorf die Aufmerksamkeit auf sich. Gerlinde aus Mosbach konnte sich noch an die erschreckenden Radiomeldungen von vor Ostern 2012 erinnern: „Die Kirchenburg Walldorf steht in Flammen!“ Dabei wurde das Wahrzeichen bis auf die Außenmauern zerstört. Jetzt, nach sieben Jahren, grüßt der Kirchturm wieder stolz ins Werraland. Eine Kletterwand lädt ein, Aussichtspunkte wurden in den Schalentürmen der Umwehrung errichtet, die Kirche mit ihren neugestalteten Glasfenstern stellt eine gekonnte Mischung zwischen Historie und Gegenwart dar. Auf der Kirchenburg stieß auch wieder Schnurri vom Bahnhof zu uns und schmuste ausgiebig mit den Kindern? „Dürfen wir die mitnehmen?“ „Nein, bloß nicht. Die Katze gehört an den Ort, wo sie lebt.“ Es gab schon ein paar Tränen, als Schnurri auf der Außenmauer der Kirchenburg zurückblieb. Aber sie gehört nun mal nach Walldorf.

    Helden der Laubsäge




    Ganz schön altbacken, eine Arbeit mit Sperrholz und Laubsäge? Doch irgendwie musste der Baum der Thüringer Mundarten doch entstehen. Wie würden die Kinder es aufnehmen, handwerklich tätig zu sein? Ja, es war verblüffend, wie sich die Truppe von 6 bis 14 Jahren schon auf die Entwurfszeichnungen konzentrierte. Lindenblätter, Kastanienblätter, Eichenblätter. Anschließend ging es an die Übertragung der Skizzen aufs Sperrholz, und die Sägeblätter ritten ohne Klage und mit freudigen Bedienern bis in den späten Abend durch das Rohmaterial. Echte Herausforderungen wurden bewältigt. Am Ende erwiesen sich die mitfahrenden Betreuer die Handwerker für´s Grobe: Als die Trachtenkinder sich mit den letzten Fotos für den Mundartkalender abmühten, krempelten sich Muttis und Betreuer die Ärmel hoch und jagten die Sägeblätter mit Elan durch die letzten Bestandteile der Baumkrone. Hut ab!

    Fleischhütes mit Lauchbrüh




    Herbstferien gehen durch den Magen. Selbstverständlich. Zum Beispiel im Gasthaus „Zur Guten Quelle“ in Kaltensundheim. Auch dort wurde die Kirchenburg St. Albanus in Augenschein genommen.Doch dann konnten die Teller nicht groß genug sein. Familie Möllerhenn servierte ein Rezept aus der Rhön, die Fleischhütes mit Lauchbrüh. Nur einige nahmen Bratensoße. Welch ein Genuss! Umso erstaunter waren wir, als uns der Wirt erläuterte, dass die Fleischhütes als Rhöner Nationalgericht erst vor einigen Jahren wieder ausgegraben wurden, und zwar in Kaltenlengsfeld! Ja in Kaltenlengsfeld, dort wo der Thüringer Mundarttag 2018 stattfand! Frank Hößel aus Kaltenlengsfeld, der Organisator, hatte die Spezialität dort 2018 auftischen lassen! So klein ist die Welt!

    Text: Dirk Koch

    Fotos: Norbert Sander

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