Masken und dicke Mauern

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  • Masken und dicke Mauern
    Osterferienaktion 2019 der Thüringer Trachtenjugend in Ilmenau

    Mit vielen Themen bestückt war auch in diesem Jahr wieder die Osterferienaktion der Thüringer Trachtenjugend, mit Teilnehmern aus dem Landkreis Gotha, aus dem Wartburgkreis, dem Kreis Schmalkalden - Meiningen und den Kreisen Hildburghausen und Sonneberg. Wie immer raufte sich die Mannschaft schnell zusammen, manche kannten sich von vorherigen Ferienaktionen, andere fanden schnell Kontakt. Die Jugendherberge Ilmenau bot dazu mit ihrem freundlichen Team einen perfekten Rahmen.

    Masken aus Manebach und Ohrdruf

    Manebach, einst Schwerpunkt der Maskenproduktion, war nach einigem „Och“ und „Ach“ ob des sechskilometrigen Fußmarsches dann doch endlich erreicht und ein erster Stopp am österlich geschmückten Maskenbrunnen sorgte für Abwechslung. Im Haus des Gastes erwartete uns ein freundliches Team Manebacherinnen, unter anderem die frischgebackene Ortschronistin Gabriele Kahlert, die auf den Spuren des Wachsenburgmalers Eduard Fiedler durch den Ort führte. Er war von 1891 bis 1895 Lehrer in Manebach. In der Heimatstube konnten erhaltene Manebacher Masken betrachtet, fotografiert und skizziert werden. Das hatte seinen guten Grund: Am Nachmittag war zur Gestaltung der auf althergebrachte Art und Weise hergestellten Masken eine Menge Kreativität notwendig. Da half auch manchmal das Handy. So holten sich Jacob und Nico ihr Affengesicht aus dem Netz und malten danach. Beachtlich war das Ergebnis. Drachen, Tiger, Teufel, Katzen, Pferde, Füchse und Wölfe erhielten jeweils ihr ganz eigenes Erscheinungsbild. Da kam manche Überraschung zustande. Aus den ohne Farbe eher unaufregenden Vogelmasken entstanden fast lebensechte Fabeltiere, vor den Tigern hätte man glatt Reißaus nehmen können.




    Allerdings kamen die dafür verwendeten Rohmasken nicht aus Manebach, weil da niemand mehr Masken produziert. Sie kam aus der Maskenmanufaktur von Irene Hanf aus Ohrdruf, sie hatte sie auf Bestellung für die Gruppe der Thüringer Trachtenjugend hergestellt. Wie einst in Manebach hat hier die Maskenherstellung Tradition, lebt aber noch. Übrigens verwendet Frau Hanf sogar einige alte Manebacher Formen, und da wäre die Verbindung doch wieder hergestellt.

    Hinter den Schwalbenschwanzzinnen

    Leonhards Mutti blieb fast das Herz stehen, als ihr Ältester keck von den Zinnen herabwinkte. Unten legten die anderen Kinder ihre Köpfe in den Nacken und schauten aufgeregt nach oben. Sogar die kleine Netty hatte sich auf den Wehrumgang des Kirchturms in Kleinbreitenbach getraut. Von hier aus war es einst möglich, den Turm zu verteidigen. Herzlichen Dank geht an Pfarrer Spantek, der sich die Zeit nahm, und die Truppe in drei Teilen auf den Turm führte. Mehr ging nicht: Denn Treppen, Türen und Luken sind enorm schmal. Im Verteidigungsfall musste der Turm zu sichern sein, Feinde konnten durch enge Öffnungen schlecht eindringen. Danach ging es noch zum Kirchturm in Siegelbach, der dem Kleinbreitenbacher ziemlich ähnlich ist. In Dosdorf befindet sich eine Kirchenanlage mit großem Tor, die von manchen Autoren als wehrhaft bezeichnet wird. Die Einheimischen sehen das selbst nicht unbedingt so, aber ein schönes Fotomotiv war der Komplex trotzdem. Und vielleicht doch ein wenig wehrhaft, oder?



    Die eigene Tagesschau

    Die vielfältigen Erlebnisse der Osterferienaktion fanden ihre Zusammenfassung in einer allabendlichen Tagesschau. Wenn das berühmte Intro erklang, dann saßen schon alle pünktlich und gespannt auf ihren Stühlen. Es gab kleine Redaktionsteams, die Ereignisse des Tages in kurzen Meldungen zusammenstellten. Ein Höhepunkt wurde der Wetterbericht, die Verkehrssituation wurde bearbeitet, ebenso die Schwerpunkte des Tages. Besonders die rasante Einfahrt per Grubenbahn in den Stollen „Volle Rose“ bei Langewiesen. Jonas moderierte alles gekonnt. Werbung gab es natürlich ebenfalls. Übrigens, wer weiß bereits, was ein „Kund“ ist? Die Tagesschau erklärte es. Das ist ein Ergebnis dieser Osterferienaktion, eine innovative Mischung aus Kind und Hund, die sicher bald die Haushalte, Schulen und Trachtengruppen erobern wird. Wau, Wau!

    Text und Fotos: Dirk Koch

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