Tages des Thüringer Brauchs in Kaltenlengsfeld

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  • Thüringer Wissenschaft hat verschlafen!

    Fränkische Wissenschaftlerin weist Thüringer auf ihre wertvollen Eigenheiten hin, Thüringer Landestrachtenverband ist jedoch bereits voll im Rennen


    Thüringen hat ein Problem, ein großes Problem. Kurzum gesagt: Das Land erkennt seine eigenen Stärken nicht, bzw. leidet bis dato daran, dass es seine eigene Bonuspunkte verschmähte. Hier ließe sich viel aufzählen. Ein Part davon ist die Mundart, die Thema des letzten Tages des Thüringer Brauchs in Kaltenlengsfeld war.




    Dialektforschung endet nie, Sprache verändert sich


    Eine Fränkin brachte es auf den Punkt. Die anerkannte Dialektforscherin Dr. Almut König von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg stellte zum Tag des Thüringer Brauchs fest: „Mit der Beendigung des Thüringer Wörterbuches findet Dialektforschung in Thüringen praktisch nicht mehr statt“. König ist der Ansicht: Die Dialekte des Freistaates erleben einem stetigen Wandel, der unbedingt dokumentiert werden muss. Es ist wie „wertvolle Gemälde ins Feuer zu werfen“, so beschrieb Dr. Almut König den Zustand, in dem sich dieser Tage die wissenschaftliche Aufarbeitung der Thüringer Mundart befindet. Recht hat sie! Für die Aktiven in den Reihen des Thüringer Landestrachtenverbandes e.V. indes trifft dieses nicht zu, wie man sich zum Tag des Thüringer Brauchs mit dem Thema Mundart schnell denken konnte.


    Bei den Ehrenamtlern schon lange im Brennpunkt


    Beim Thüringer Landestrachtenverband indes steht die Mundart seit einigen Jahren im Brennpunkt. So vor allem beim diesjährigen Tag des Thüringer Brauchs, den Frank Hößel aus Kaltenlengsfeld initiierte und mit seinem Kaltenlengsfelder Team organisierte. So etwas hat es noch nie gegeben! In der Rhön bekam die Mundart am 18. August 2018 das Podium, welches ihr gebührt. „Ich denke und träume in Platt“, so beschrieb eine Mundartsprecherin zum Beginn der Veranstaltung ihr Verhältnis zur Sprache der Heimat. Eine bessere Beschreibung dazu gibt es wohl nicht. Unvergesslich der Gottesdienst in der vollen Kaltenlengsfelder Kirche. Man muss sich den Worten öffnen und Hören. Das haben die Menschen verlernt. Im prall gefüllten Kaltenlengsfelder Saal gaben Mundartsprecher aus allen Landesteilen ihren Einstand, so z.B. aus dem Altenburger Land, Mittelthüringen oder aus der Bergstadt Ruhla. Von dort konnte man erfahren, wie sich die Mundartinteressenten beim Mundartstammtisch austauschen. Mundart gehört auch in die Schulen, egal, wie regional sie ist. Andere Bundesländer machen das längst vor. In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ist sie bereits lange dort.





    Die Thüringer haben zu tun


    Frank Hößel hat mit seinem Engagement und seinem Kaltenlengsfelder Team gezeigt, wo es langgeht. Der Thüringer Landestrachtenverband e.V. und die Thüringer Trachtenjugend sind auf einem guten Weg. Die Trachtenjugend engagiert sich mit einem Praxismodul im Projekt PARTHNER des Heimatbundes Thüringen e.V., so gab es in diesem Jahr auch einen Trachtenkalender zum Thema Mundart.





    Allerdings sollten eventuelle Mittel für die Mundartforschungen nicht etwa an Universitäten und Lehrstühle fließen, die es trotz zahlreicher Anstöße der vergangenen Jahrzehnte standhaft verschlafen haben, sich diesem Thema der Volkskultur zu widmen. Die aktiven Ehrenamtler freuen sich über jede Unterstützung ihrer Arbeit.

    Vielleicht hat dieser Tag des Thüringer Brauchs Akzente gesetzt, wieder genauer hinzuhören und Werte zu erkennen. Die Mundart stellt einen wichtigen Wert der Heimat dar.

    Durch die Unterstūtzung der Thüringer Staatskanzlei, der Būrgerstiftung des Wartburgkreises und der Kultur und Sportförderung des Wartburgkreises sowie der Stadt Kaltennordheim wurde uns die Durchführung der Veranstaltung ermöglicht. An dieser Stelle sagen wir ein herzliches Dankeschön.

    Text: Dirk Koch
    Bilder: Hans Kowalewski

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