55. Europeade in Viseu (Portugal)

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  • Boa tarde Viseu! (Guten Tag Viseu!)

    Vom 24. –29. Juli fand in Viseu (Portugal) die diesjährige Europeade statt. Bereits im Vorfeld dieser Veranstaltung stellte man sich im Trachtenverband Gotha die Frage: „Wer wird Thüringen bei dieser Veranstaltung vertreten?“ Viele Argumente dafür und dagegen wurden ins Feld geführt.




    Für die Schumlacher aus Lindenberg war von Anfang an klar: „Mier fohrn hie, dös is su wos von klar!“ Auch als sich herausstellte, dass sie als einzige Gruppe aus Thüringen nach Viseu fahren würden, schreckte sie das nicht. Sie stellten sich dieser Herausforderung und sahen es als Ehre und Verpflichtung an, den Trachtenverband und das Land Thüringen in Viseu würdig zu vertreten. „Es wäre ja wohl der Gipfel, wenn unser Bundesland mit seinem starken Landesverband beim größten Fest der Trachtler in ganz Europa nicht vertreten wäre“, waren sich alle einig.




    Viel war bis zum Abflug zu bedenken. Flüge mussten gebucht werden, das Gepäck (Instrumente und Fahnen) war vorschriftsmäßig zu verpacken und die Fahrt zum Flughafen musste abgesichert werden. Endlich war es so weit. Am 24. Juli traf man sich früh um halb 3 am Trachtenheim, welches von den Mitgliedern des Trachtenvereins liebevoll Häusla genannt wird. 22 tapfere Streiter wurden zum Flugplatz nach München gefahren, wo pünktlich um 8.10Uhr das Flugzeug abhob. Nach einem ruhigen Flug landete man nach 2,5 Stunden locker und entspannt in Porto. Der Bus stand schon bereit und nach einer 2–stündigen Fahrt traf die Gruppe in Viseu ein. Schnell lagerte man das Gepäck in der Unterkunft ein und dann wurde zunächst einmal für das leibliche Wohl gesorgt und die nähere Umgebung erkundet. Um 17.00Uhr konnte das Quartier bezogen werden. Man richtete sich ein, sortierte seine Sachen und brachte vor allem die Tracht aus dem Koffer auf Kleiderbügel. Inzwischen hatte sich bei den meisten Teilnehmern schon wieder ein kleines Hüngerchen eingestellt. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurden die Tänze für den Auftritt geprobt, die Musiker spielten dazu auf. Nach diesem langen, ereignisreichen Tag fielen alle hundemüde auf ihre Luftmatratzen und schliefen dem neuen Tag entgegen.

    Am 25.Juli gingen nach dem Frühstück alle gemeinsam zum Stadion zur Anmeldung. Dort bekamen die Schumlacher auch ihren Guide zugewiesen. Die junge Frau, eine Studentin; führte sie durch die Stadt und sprach über die Sehenswürdigkeiten, Geschichte und Entwicklung von Viseu. Nach dem Stadtrundgang waren sie schon etwas pflastermüde und so freuten sie sich auf ihr gemeinsames Mittagessen, welches in der Turnhalle einer Schule eingenommen wurde. Nach einer kurzen Tanzprobe hatten die Trachtler die Möglichkeit, die Gegend selbständig zu erkunden. Der größte Teil ging ins nahe gelegene Europeadedorf und gönnte sich einen Rieseneisbecher. Ein wenig Entspannung tut bei der Hitze auch mal gut. Vor dem Abendbrot nutzten viele die Gelegenheit zu einer Shoppingtour. Am Abend war noch eine Probe angesetzt. Man wollte schließlich zur Eröffnung einen perfekten Tanz im Einklang mit der musikalischen Unterstützung der Trachtenkapelle präsentieren. Später nahmen die Schumlacher gemeinsam an der großen Eröffnungsveranstaltung teil, die auf einem großen Platz in der Altstadt durchgeführt wurde. Viseu stellte sich vor und hieß seine Gäste herzlich willkommen.




    Am 26. Juli hatten die Schumlacher ihre ersten Auftritte auf einer der vielen Bühnen in der Stadt. Begeisterte Zuschauer hatten sich eingefunden und spendeten wohlverdienten Applaus. Die Tatsache, dass für manche Bühne zur gleichen Zeit mehrere Gruppen eingeplant waren, tat der Freude am Tanzen und Musizieren keinen Abbruch. Für Trachtler ist das kein Problem, man kennt sich von vielen Europeaden, schätzt sich und ist sich freundschaftlich verbunden. „Wos? Ihr wöllt jetzt tanz? Eichentlich senn mir fei draa. Nu ja, macht nex, mir wan uns schö änich.“ Und so war es auch. Es tanzte einer nach dem anderen und manchmal auch alle zusammen. Im Süden Europas ticken die Uhren eben etwas anders, auch ohne generalstabsmäßige Planung des Geschehens und trotz kleiner Pannen gingen die Auftritte locker und flockig über die Bühne. Durchgeschwitzt und außer Atem entschloss man sich, dass nach diesen Auftritten zunächst eine kleine Verschnaufpause nötig war. Man wollte letztendlich am Abend bei der Eröffnung im Stadion einen perfekten Auftritt hinlegen. Da brauchte man schon zwischendurch eine Erfrischung. Zum Glück gab es am Rande der Stadt ein sehr schönes Schwimmbad, welches zum Verweilen einlud. So verbrachten die Schumlacher den Nachmittag im kühlen Wasser und holten sich Kraft und Motivation für den Abend. Um 17.00Uhr war zunächst Treffpunkt an der Unterkunft, wo man sich auf den großen Auftritt vorbereitete. Gemeinsam machte man sich auf den Weg zum Stadion, wo die große Eröffnung der Europeade stattfand, bei der sich alle teilnehmenden Gruppen mit ihren Tänzen und ihrer Musik präsentierten. Vor jedem Auftritt wurde auf dem riesigen Bildschirm im Stadion das Land der entsprechenden Gruppe eingeblendet, dann das Bundesland und die Stadt. Endlich war es so weit. Die Schumlacher waren an der Reihe. Auf der Leinwand war es deutlich zu lesen: „Deutschland – Thüringen – Lindenberg – TV Schumlach“. Die Musiker spielten hervorragend, die Tänzer präsentierten sich von der besten Seite. Alle Mühe hatte sich gelohnt. Ein gelungener Auftritt wurde mit viel Applaus belohnt. Die Schumlacher haben wirklich schon in vielen Ländern vor großem Publikum getanzt, aber die Eröffnungsveranstaltungen bei den Europeaden übertreffen alles andere. Es ist ein Wahnsinnserlebnis, vor so vielen Menschen in einem riesigen Stadion zu tanzen. Alle Kameras verfolgen in diesem Moment die Vorführung der Aktiven, alle Augen sind nur auf sie gerichtet. Ein Gänsehautmoment für alle Mitwirkenden.

    Der 27. Juli sollte nach dem anstrengenden Vortag etwas ruhiger ablaufen. Ausruhen, Stadtbummel, Eis essen, Entspannung pur. Das hatten unsere Trachtler auch wirklich verdient. Am Nachmittag war noch ein Auftritt auf einer Stadtbühne zu absolvieren und abends spielten die Musiker bei der Europeade bei Nacht.




    Am 28. Juli fand am Nachmittag der große Trachtenumzug statt. Deshalb entschied man sich, die Füße am Vormittag zu schonen. Mit einer Bimmelbahn fuhren die Schumlacher noch einmal durch die Stadt, in der sie in den letzten Tagen eine schöne Zeit hatten. Drei Vertreter nahmen am großen Empfang des Europeadekomitees teil. Dort trifft man Trachtler aus vielen Ländern, kann Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen. Auch mit dem früheren Vorsitzenden des Europeadekomitees, Armand de Winter, kamen sie wieder einmal ins Gespräch. Zu ihm hatten sie schon bei den letzten Europeaden einen guten Draht. Auch die Vertreter aus Turku (Finnland), wo die Europeade im letzten Jahr stattgefunden hatte, kamen auf unsere Trachtler zu und bestellten herzliche Grüße aus der Heimat. So verlief der Empfang angenehm und entspannt. Die Zeit verging wie im Flug.

    Zum Mittagessen trafen sich alle in der Unterkunft. Anschließend bereiteten sie sich auf den großen Umzug vor. Man ruhte sich noch ein wenig aus, brachte die Trachten in Ordnung und dann ging es richtig zur Sache. Um 16.00Uhr begann der Festumzug durch die historische Altstadt, vorbei an der Kathedrale, der Kirche und dem Rathaus. Tausende Besucher säumten die Straßen. Mit Jubel und tosendem Beifall begrüßten sie die über 200 Gruppen, welche in diesem Jahr daran teilnahmen. Die Schumlacher waren auf den Platz Nummer 85 eingewiesen worden. Sie freuten sich über den Applaus der Besucher und wagten manchmal sogar ein kleines Tänzchen. Die Attraktion war jedoch die Jüngste, die kleine Rosalie, die gemeinsam mit den Fahnenträgern die Gruppe der Schumlacher anführte und voller Begeisterung ihre kleine Lindenberger Fahne schwang, die man extra für diesen Anlass angefertigt hatte. Am Abend fand der traditionelle Europeadeball statt, an dem einige Schumlacher teilnahmen und viel Spaß hatten.

    Es waren anstrengende, aber auch wunderschöne Tage in Viseu. Die Trachtler haben viel gesehen und erlebt und konnten neue Eindrücke mit nach Hause nehmen. Es ist für sie immer wieder eine Freude, bei den Europeaden auf Freunde aus anderen Ländern zu treffen. Viele Gruppen kennen sich seit Jahren und freuen sich schon darauf gemeinsam zu tanzen und zu musizieren.

    Am nächsten Tag hieß es für die Schumlacher Koffer packen, mit dem Bus nach Porto und dann mit dem Flugzeug nach München, wo sie schon von den Fahrern des Trachtenvereins erwartet wurden. „Die Heimat hat uns wieder!“

    „Adeus Viseu! Du warst eine wundervolle Gastgeberstadt in der wir abwechslungsreiche, interessante Tage verbringen durften. Deine Sehenswürdigkeiten haben uns beeindruckt und die Herzlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft deiner Menschen waren überwältigend. Wir werden die Erinnerung an diese schöne Zeit in unseren Herzen bewahren.“

    Ate logo Freunde, spätestens im nächsten Jahr in Frankenberg, Hessen, Deutschland!

    Der TV Schumlach bedankt sich bei allen, die diese Fahrt unterstützten!

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